Dienstag, 23. Februar 2016

15 Tipps für ein gutes Hundetraining





Ich werde fast auf jeder Prüfung und auf jedem Seminar darauf angesprochen, was für ein toller Hund Shila doch sei. 

So brav, so lerneifrig, so freudig und korrekt bei der Sache.


Mein Rottweiler Mädchen ist ein ganz normaler Hund. 
Sie trägt keinen Heiligenschein.
 Als Welpe hatte sie genauso viel „Dummfug“ im Kopf, wie andere Hunde in ihrem Alter auch.


Besonders in den ersten Wochen hat mich Shilas quirlige Welpen Art in die Verzweiflung getrieben. 
Es war eine gewaltige Umstellung für mich, nach dem Tod meiner alten Hündin mit so einem kleinen "Hans Dampf in allen Gassen" in der Hundeerziehung wieder ganz von vorne anzufangen.


Aber ich war mir meiner Verantwortung als Hundebesitzer bewusst, und so begann die Erziehung der kleinen Maus bereits am ersten Tag und steigerte sich langsam.




Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, oder darauf, dass meine Tipps die ultimativen Erziehungstipps sind. 
Es ist ein kleines Regelwerk, dass ich immer und immer wieder beherzigt habe. 
Die Reihenfolge der Tipps zeigt keine Wertigkeit auf. 

Es ist unser Weg, der Shila und mich als Team zusammengeschweißt hat.

Übung "Box" (Vorraussenden in ein Quadrat), danach Kommando "Platz".
Auch nach dem zweiten Kommando ist Shila noch aufmerksam ...




Meine 15 Tipps für ein gutes Hundetraining




Nimm dir Zeit, trainiere aber nicht immer zur selben Uhrzeit. So wird vermieden, dass der Hund meint, er müsse nur vormittags oder nachmittags hören.


Überfordere deinen Schüler nicht. Auch Hunde müssen erst lernen zu lernen. Fange beim Welpen mit sehr kurzen Zeitspannen an und erweitere diese nur langsam. Kurze Trainingseinheiten, zweimal über den Tag verteilt, sind effektiver als ein langes Training. Meine Shila wird im Sommer 2016 vier Jahre jung. Mit ihr trainiere ich in etwa 20 Minuten – länger nicht. 


Beginne die Ausbildung an ruhigen Orten. Erst wenn der Hund die ersten Verknüpfungen erstellt hat ist es sinnvoll das Training an anderen, belebteren Orten auszuführen. Ich habe nie Scheu davor gehabt, mit Shila in der Fußgängerzone, im Baumarkt oder auf einem Supermarktparkplatz zu trainieren. 


Sei bei der Sache. Schenke deine volle Aufmerksamkeit deinem Hund und überlege nicht schon, was du noch alles erledigen musst, oder hänge gedanklich einem Streit nach. Sei im hier und jetzt.


Trainiere nur, wenn du fit bist. Wer krank ist, reagiert fahrig und ist unkonzentriert. Dein Hund kann das nicht einordnen.


Denke an den Lohn. Kleine weiche Leckerchen sind sinnvoller, als große Hundebisquits die der Hund erst stundenlang kauen muss. Der eigene Hund kommt dadurch aus der Konzentration und wenn noch andere Hunde auf dem Platz sind werden sie ebenfalls unnötig abgelenkt. Überhaupt sollten Trainingsleckerchen was besonderes sein und nicht das übliche Fertigfutter, das sowieso jeden Abend im Napf landet.


Keine Knistertüten bitte. Ich werde nie verstehen, was andere Hundebesitzer so „ekelig“ an Käse oder Wurst in der Tasche finden… das Ergebnis einer Abklatschprobe von ihrem Handy würde weitaus mehr Ekel hervorrufen. Zudem gibt es knisterfreie Leckerchenbeutel. Des Weiteren soll der Hund nicht auf die Knistertüte konditioniert werden. Hunde merken nämlich sehr schnell, ob der Knisterbeutel und somit die tollen Leckerchen dabei ist oder nicht.


Gebe kurze und knappe Kommandos; rede deinen Hund nicht die Ohren voll. Wer gerne Geschichten erzählt, kann später mit Freundin, Mutti oder Oma quasseln…


Worte und Körpersprache müssen zueinander passen. Bestes Beispiel ist hier das heranrufen von Welpen und Junghunden. Viele Hunde fühlen sich extrem unwohl, wenn man sich über sie beugt. Trotzdem machen viele Hunde Besitzer den Fehler, rufen ihren Hund, starren ihn an und beugen sich schon leicht nach vorne. Der Körper signalisiert damit eine Drohgebärde, die Worte sagen: komm zu mir. Der Hund gerät in eine Zwickmühle. Durch hinhocken oder zur Seite drehen, vermeidet der Hunde Besitzer solche Konfliktsituationen für den Hund.


Sei klar in deinem Lob und sei konsequent. Schwarz oder weiß, gut oder nicht gut, aber lobe deinen Hund nicht halbherzig und gebe dann auch kein Leckerli. Wenn das Kommando „Sitz“ zum Beispiel nicht ausgeführt wurde, dann gibt es kein Leckerli, auch wenn der Hund noch so süß schaut, oder weil du das Leckerchen eh grade in der Hand hast.


Achte auf den Spannungsbogen. Trainiere nie nach Schema F, gestalte das Training abwechslungsreich. Nur ein interessierter Schüler ist bei der Sache und lernt auch was.


Denke beim Umgang mit deinem Hund immer an deine Stimme und ans spielen. Hierzu hatte ich schon Beiträge geschrieben. Diese können hier nachgelesen werden:
Stimmmodulation: klick mich an

Spielend zur Bindung: klick mich an 


Schließe das Training immer positiv ab. Gehe nie nach einer verpatzen Übung grummelig vom Platz. Training soll Spaß machen, nur so geht der Hund freudig ins nächste Training.


Mach mal Urlaub. Trainingspausen von mehreren Tagen machen den Kopf frei, sowohl beim Hund, als auch beim Hundebesitzer.


Ruhe nach dem Training. Hunde haben ein wesentlich höheres Schlafbedürfnis als wir Menschen. Hinzu kommt, dass Hunde während ihrer Schafphase das zuvor erlebte nochmals verarbeiten und verinnerlichen. Sie lernen quasi im Schlaf.







Das alles mag sich jetzt erschlagend anhören. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, das die Umsetzung wirklich total einfach ist. 
Wer trotzdem einmal das Gefühl hat in eine Trainings Sackgasse geraten zu sein, dem rate ich dringend zu ein paar Tagen Auszeit. Noch dazu kann der Blick einer erfahrenen Person auf euer Training hilfreich sein.




Ich habe in Shilas Ausbildung sehr viel Zeit investiert. 
Das wir im Hundesport gelandet sind, war zu Beginn nicht absehbar. 
Mein Zauberlehrling ist ein „Sportweiler“, aber kein Sportgerät. 
Sie hat vollen Familienanschluss mit Zugang zum Garten. 
Sie darf mit mir auf dem Sofa kuscheln und auf Spaziergängen zur Wildsau mutieren. 
Sie darf Hund sein. 
Vielleicht macht uns grade deswegen der Sport soviel Spaß.



Zum Schluss noch meinen Leitsatz in der Hundeerziehung:



Wer Hunde mit Gewalt erzieht, 

offenbart seine geistige Armut.





Die Hexe und ihr Zauberlehrling
Klassensieg in Uetze











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